Mittwoch, 14. Januar 2015

Elsa ungeheuer von Astrid Rosenfeld


Kurzbeschreibung 
Lorenz Brauer ist der neue Star der internationalen Kunstszene. Doch kaum einer ahnt, dass hinter seinem kometenhaften Aufstieg nicht nur Talent, sondern der raffinierte Plan zweier einflussreicher Frauen steckt. Karl Brauer, Lorenz' jüngerer Bruder, weiß das natürlich. Und auch, dass die verrätselten Bilder des aufstrebenden Malers ihren Ursprung in der Kindheit haben – in der Zeit, als Lorenz und Karl gerade ihre Mutter verloren hatten und Elsa in ihr Leben trat. Elsa mit den Streichholzarmen, dem rotzfrechen Mundwerk, den extravaganten Kleidern. Das Mädchen, an das einer der Brüder sein Herz verlor und der andere seine Illusionen. Das Mädchen, das keiner von beiden vergessen kann. Zärtlich und schonungslos schlägt Astrid Rosenfeld einen Bogen von einer verrückten Kindheit auf dem Land bis zum Glamour und den Perversionen der modernen Kunstwelt.
Verlag: Diogenes
Seiten:  288 Seiten 
Buchreihe: nein
ISBN: 978-3-257-24294-2
Erscheinungstermin: 2014 
Preis  € 10,90 (Taschenbuch) 

Widmung des Buches
Für Daniel Keel, Rudolf C. Brettschart und Philipp Keel in Dankbarkeit.

Der erste Satz
"Für manche Menschen scheint die Erde einfach nicht der rechte Ort zu sein, und meine Mutter Hanna war so ein Mensch."

Cover/Gestaltung
Typisches Cover aus dem Diogenes Verlag. Die vier Vögel vor dem rosa Hintergrund sehen sehr farbenfroh aus. 

Meine Meinung über das Buch
Das Buch wurde mir vor einiger Zeit mehrfach empfohlen...und ich war mir irgendwie gar nicht so sicher, ob es mich wirklich interessiert. Zu Weihnachten 2014 war es dann aber soweit und ich bekam diese Geschichte geschenkt. Und als ich dann damit begonnen hatte, ließ sie mich nicht mehr los. 

Schon vom Schreibstil Rosenfelds - klar, leicht poetisch, und voller Leben - war ich sofort überzeugt. 
"Ich bemerkte, dass Angst wasserscheu war und Badewannen mied. Die aufziehenden Morgenstunden, in denen man die Rechnung für genossene Leichtigkeit begleichen musste, schienen in dem kühlen Wasser wesentlich erträglicher als in weichen Betten." (S. 212)
"Ich konnte ihm verzeihen, dass er sich genommen hatte, was mir das Liebste war. Ich konnte ihm nicht verzeihen, wie unachtsam er es behandelt hatte." (S. 268) 
Interessanterweise sind wiederum einige Passagen in "Elsa ungeheuer" von den vermittelten Gefühlen her so ganz anders geschildert, als ich selber sie ausdrücken würde. Beim Tod der Mutter z. B. geht die Autorin kaum näher auf die Gefühle der beiden zurückbleibenden Jungs ein - es wird eher neutral und sachlich über bestimmte Dinge berichtet. 
Auch als der Vater wieder eine verstärkte Rolle im Leben der Jungen einnimmt, werden kaum Gefühle vermittelt. Was sicherlich auch so gewollt ist. Dadurch entsteht ein gutes  Bild einiger Charaktere dieses Buches. Andere Personen wiederum - wie Elsa selber, die ein absoluter Wirbelwind ist - und Karl beispielsweise, der von Liebe bis zum Überlaufen erfüllt zu sein scheint, dass er nahezu krank vor Gefühl ist, scheinen vor ungebändigten Gefühlen fast zu platzen. Eine wirklich interessante Mischung....

Die Nebenrollen in Rosenfelds Buch gefallen mir sehr, allen voran ganz klar, das Murmeltier. Dieser Mann kümmert sich in ganz eigener Art rührend um die beiden Jungen und Elsa und vermittelt ihnen wirklich viele sehr witzige Geschichten - jeden Abend vor dem Schlafengehen erzählt das Murmeltier den Kindern Gute-Nachtgeschichten der ganz anderen Art - nämlich von seinen vielfachen Frauengeschichten (mit ziemlich vielen deftigen Details, die nicht unbedingt für Kinderohren bestimmt sind....). Wirklich sehr spaßig....

Der Roman ist wunderbar geprägt von einer Eigenwilligkeit, die sich auch in Elsas extremem Charakter widerspiegelt. Voller Lebensenergie, angefüllt mit viel Kraft und klaren realistischen, wenn auch schmerzlichen, düsteren Passagen. Wie das Leben manchmal einfach so ist....

Einziges Manko besteht für mich im Ende der Geschichte, das mich leider ein wenig ratlos und so gar nicht zufrieden gestellt zurückließ ;-)

Über die Autorin
Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren. Nach dem Abitur ging sie für zwei Jahre nach Kalifornien, wo sie erste Berufserfahrungen am Theater sammelte. Danach begann sie eine Schauspielausbildung in Berlin, die sie nach anderthalb Jahren abbrach. Eine Zeitlang hat sie in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Casterin. Ihre Romane ›Adams Erbe‹ und ›Elsa ungeheuer‹ wurden in elf Sprachen übersetzt. Astrid Rosenfeld lebt als freie Autorin in Berlin und Marfa, Texas.
 Mein Fazit
Unbedingte Empfehlung von meiner Seite FÜR dieses Buch, das sich mit der Kritik an Kunst, mit überlaufenden Gefühlen und dem wirklichen Leben mit all seinen Höhen und Tiefen auseinandersetzt...

Kommentare:

  1. Ich habe "Elsa ungeheuer" schon länger im Auge, kann aber auch nicht so recht einschätzen, ob es etwas für mich sein könnte. Den Stil der Autorin finde ich echt gut, zumindest kann ich mir durch die beiden Zitate, die du angegeben hast, ein bisschen ein Bild davon machen. Auch der erste Satz mich sehr neugierig auf das Buch. Ich denke, ich werde es mir jetzt doch noch holen.
    Danke, für die schöne Rezension!

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. ...bin mal sehr gespannt auf deine Meinung! Und vielleicht kannst du mir dann beim Ende ein wenig auf die Sprünge helfen:-)
      Dir noch einen schönen Donnerstag,
      Olivia

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  2. So, da bin ich also nach 3 Monaten wieder hier gelandet. ;)
    Anders als du, habe ich den Schreibstil der Autorin eher melancholischer wahrgenommen, gar nicht so leicht und voller Leben. - Obwohl Elsa schon eine sehr schillernde und facettenreiche Persönlichkeit ist.

    Das Zitat auf S. 268, das du herausgeschrieben hast, habe ich auch mindestens zweimal gelesen, weil ich es so gut zur gesamten Geschichte passend fand.^^ - Der Satz zeigt wirklich sehr gut, wie viel Elsa Karl bedeutet hat und wie 'wenig' wichtig Lorenz dieses Mädchen auf der Beziehungsebene gewesen ist.

    Das Murmeltier mit seinen Frauengeschichten hat mir auch sehr gut gefallen, aber auch Frau Kratzler, das Urgestein, mit ihrem 'Herzjesulein' ist in meinen Augen ein unvergleichlicher Charakter. ;)

    Der Schluss war für mich auch irgendwie nicht ganz befriedigend. Ich bin nur froh, dass Karl nach Texas gefahren ist, um herauszufinden, wie es Elsa geht. Er und wir als Leser haben zwar Gewissheit, aber dennoch ist das Ganze irgendwie traurig für den Protagonisten. Hätte es ein Happy End gegeben, ich wüsste auch nicht, ob ich damit zufriedener wäre, denn das Leben spielt nun mal in echt auch so, wie es eben spielt. Und ein Happy End ist manchmal einfach nicht realistisch. Ich finde, dass der Schluss, so wie er ist, ganz gut zur restlichen Geschichte passt. :-)

    Meine Rezension habe ich nun auch endlich vorhin veröffentlicht. ;)

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    P.S.: Darf ich deine Rezension hier im Bloggernetzwerk verlinken? ( https://bloggervernetzt.wordpress.com/2015/04/17/elsa-ungeheuer-von-astrid-rosenfeld/ ) Ich weiß nicht, ob du diesen Blog schon kennst!? Ich bin noch nicht so lange Mitglied dort. Jedenfalls ist das so eine Art Rezensionsnetzwerk für Blogger. Dort sammeln wir alle möglichen Blogrezensionen zu den unterschiedlichsten Büchern. Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang, aber jeder hat mal klein begonnen, nicht?^^ Irgendwann sollte das mal ein großes 'Blogger-Rezensionsnetzwerk' werden - und jedem Blogger, der uns unterstützt sind wir sehr dankbar. Deswegen jetzt auch meine Frage mit der Verlinkung dort. Wenn ja, darf ich/wir zukünftig generell Rezensionen von dir auf deinen Blognamen dort verlinken? :)

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    1. Wow, so einen RIESEN Kommentar habe ich noch nie bekommen!!! Toll...;-) Werde gleich - neugierig wie ich bin - bei Dir vorbeischauen und die Rezension lesen. Bin sehr gespannt, wobei Du ja hier schon sehr viele Eindrücke hinterlassen hast. Wie unterschiedlich man doch manche Sachen sieht oder empfindet, immer wieder spannend.

      Natürlich darfst Du mich gerne bei diesem Netzwerk verlinken - vielleicht kannst Du mir den Link mitteilen? Würde mich sehr freuen, so, nun wünsche ich Dir noch einen schönen, hoffentlich lesereichen Abend,
      Olivia

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    2. Wenn ich weiß, was ich sagen will, dann sprudelt es nur so aus mir heraus. - auch kommentarmäßig. ;-)

      Und Danke, dass wir dich auch verlinken dürfen und du Teil dieses Netzwerks sein magst. Klar, schicke ich dir den Link, so sieht es aus:
      https://bloggervernetzt.wordpress.com/2015/04/17/elsa-ungeheuer-von-astrid-rosenfeld/

      Meinen lesereichen Abend hatte ich gestern noch, ja, Danke! :) Ich bin ein ganzes Stück in "Die verborgene Sprache der Blumen" vorangekommen.
      Wünsche dir ein schönes Wochenende und alles Liebe ♥,
      Janine

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    3. Dann geht es dir wie mir. Denn wenn ich etwas mitzuteilen habe, dann gibt es auch für mich keine Beschränkung ;-)

      "Die verborgene Sprache der Blumen" hat mir sehr gefallen...das Buch habe ich ganz zu Anfang meiner Blog-Entstehung gelesen, ich glaube, es war mein erster oder zweiter Post...! Vielleicht magst Du ja mal lesen..
      http://www.lesen-und-mehr.blogspot.de/2012/11/die-verborgene-sprache-der-blumen-von.html

      So, noch viel Spaß beim weiterlesen - ich hab auch heute morgen mit einem neuen Buch angefangen "Ein Diktator zum Dessert". Habe bisher aber erst knapp 40 Seiten gelesen..

      Liebe Grüße,
      Olivia

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    4. Ich habe deine Rezension schon gesehen und auch gelesen, wollte dir auch einen kurzen Kommentar dalassen aber unten drunter steht: "Neue Kommentare sind nicht zulässig."
      Aber bisher gefällt es mir auch wirklich sehr gut. Die rebellische Victoria ist zwar ein gewöhnungsbedürftiger Charakter, aber die Thematik, seine Gefühle in Form von Blumengeschenken auszudrücken, finde ich toll. Und es stimmt, das Buch ist wirklich sehr poetisch geschrieben. Sehr schön! :-)

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    5. Komisch mit der Kommentarfunktion - scheint ja nur diesen Post zu betreffen... Danke für den Hinweis darauf.
      Wünsche Dir noch viel Spaß mit Deinem Blumen-Buch - warte nun gespannt auf Deine Rezension, ganz liebe Grüße,
      Olivia

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  3. Hallo! :)

    Meine Rezension zu diesem Buch wird am 20.04. auf meinem Blog erscheinen und ich wollte fragen, ob ich dich darin verlinken darf? Es gibt quasi einen Unterpunkt der sich ".. und das sagen andere" nennt (der ist neu, also bei meinen "alten" Rezensionen noch nicht zu finden ;)) und dort würde ich dich mit deiner tollen Rezension gerne verlinken, wenn es für dich ok ist?! :)

    Herzige Grüße
    Jane

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