Mittwoch, 29. April 2015

Ein Diktator zum Dessert von Franz-Olivier Giesbert



Klappentext 
Rose ist 105 Jahre alt, eine begnadete Köchin mit einem kleinen Restaurant in Marseille. Sie hat den Genozid an den Armeniern, die Schrecken der Nazizeit und die Auswüchse des Maoismus erlebt. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Für den Fall, dass ihr jemand blöd kommt, trägt sie immer einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von Mamadou, ihrem jugendlichen Gehilfen im Restaurant, auf dem Motorrad durch Marseille kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und denkt auch im biblischen Alter immer nur an das Eine. Und sie meint, dass sie nun alt genug ist, ihre Memoiren zu schreiben: Um das Leben zu feiern und die Weltgeschichte das Fürchten zu lehren.

Verlag: carl's books
Seiten:  336 Seiten 
ISBN: 978-3-570-58538-2
Erscheinungstermin: 16. März 2015
Preis  € 14,99
Widmung des Buches
Für Elie W., meinen großen Bruder, der mit so viel gegeben hat.

"So lebe, glaube mir, oh warte nicht bis morgen,
und pflücke heute noch die Rosen dieses Lebens!"
Pierre de Ronsard

Der erste Satz
"Ich kann Menschen nicht ausstehen, die sich ständig beklagen."

Cover/Gestaltung
Wow! Ein tolles Bild oder? Das einzige, was ich mich frage, ist, wer wohl einen Hummer zum Dessert ist?!

Meine Meinung über das Buch
Dieses Mal muss ich kurz ein Statement zur Heldin des Buches abgeben, denn Rose mit ihren 105 Jahren ist so eine interessante Persönlichkeit, dass ich sie sofort und unwiderruflich ins Herz schließen musste. 

Ihre Lebensgeschichte ist in so einer direkten und erfrischenden Sprache geschildert, dass man als Leser sofort im Geschehen ist. Zitate hierzu hätte ich unendlich viele anbringen können, mein Buch war gespickt voll geklebt mit kleinen Post-its...
"Wenn das Leben gerade perfekt ist, kommt wieder die Geschichte und bringt alles durcheinander." (Seite 69)
"Liebeskummer ist wie der Tod eines Elternteils: Man erholt sich nie davon. So viele Jahrzehnte später klafft die Wunde immer noch." (Seite 153)
...und für mich mit eine der schönsten Formulierungen in diesem Buch ist...
"Eine Rede ist wie das Kleid einer Frau. Sie muss lang genug sein, um das Wesentliche abzudecken, und kurz genug, um interessant zu bleiben." (Seite 309)
Wie man sieht, MUSSTE ich einfach mehrere der Formulierungen aufschreiben, da mich der Sprachstil und auch der Inhalt der Sätze an extrem vielen Stellen wirklich begeistert hat. 

Die Geschichte von Rose, die mit Himmler beispielsweise zur Nazizeit ein (fast) Verhältnis hat und die ihre Liebschaften immer mit einer wunderbaren Offenheit schildert, ohne niveaulos zu wirken, ist durch das ganze Buch hinweg wirklich interessant. Ich liebe solche Bücher, in denen ich ein wenig Geschichtliches in einem anderen Zusammenhang vermittelt bekomme, ohne mich zu langweilen - denn, dass muss ich gestehen, Geschichte war früher in der Schule nie mein Lieblingsfach... Doch in solch einer Art herübergebracht, finde ich sie mega spannend.

Und natürlich die Gerichte, die Rose in ihrem Restaurant anbietet, haben mir mehrfach das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Umso schöner finde ich, dass im Anhang des Buches - neben diversen Geschichtszahlen und Erläuterungen von Lebensgeschichten der Persönlichkeiten - auch einige Rezepte abgedruckt sind. Von denen ich bestimmt bald mal die "Tarte aux Farises à l'américaine oder auch Strawberry Shortcake" nachbacken werde...

Der Autor...
Franz-Olivier Giesbert, 1949 in Wilmington (USA) geboren, lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Frankreich. Nach der Ausbildung zum Journalisten arbeitete er zunächst im Feuilleton von Paris-Normandie, bis er sich 1971 mit dem Nouvelle Observateur dem politischen Journalismus zuwandte. Ab 1998 war er Chefredakteur von Le Figaro, ab 2000 von Le Point. Außerdem moderiert er literarische Sendungen im Fernsehen. Seit 1977 schreibt er Romane und Biografien, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde und die in viele Weltsprachen übersetzt wurden.

 Mein Fazit
Wirklich sehr unterhaltsam, die Geschichte um Rose und ihr bisher 105jähriges Leben... Geschichtsunterricht, ohne zu langweilen!

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