Sonntag, 14. Juni 2015

Englischer Harem von Anthony McCarten


Klappentext 
Eine junge Frau zu ihren Eltern, untere Mittelschicht im Londoner Vorort: »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Ich heirate, die schlechte: Er ist Perser. Und übrigens: Er hat bereits zwei Frauen.« So beginnt ein provozierender Roman über Heimat, Kochen und die Faszination des Fremden ... und eine Liebesgeschichte wie keine andere – für diese Zeit.
Ihr Hang zu Tagträumen hat die junge Tracy Pringle um ihren Job gebracht. Doch wie in einem Traum wenden sich die Dinge zum Guten: ein neuer Job, eine neue Liebe, eine neue, fremde Welt – verkörpert von Samaan Sahar, genannt Sam, Sohn einer Metzgerdynastie aus Teheran, vornehmer Besitzer eines vegetarischen Restaurants, Oxford-Absolvent, Muslim und Mitglied eines anglikanischen Kirchenchors. Ach ja – und er hat bereits zwei Frauen. Tracys und Sams eigentlich unmögliche Liebe ist eine Provokation: für sie selber, für die jeweiligen Eltern... und für Tracys eifersüchtigen rassistischen Ex-Freund! Die Gegensätze prallen vehement aufeinander: Ost und West, Reich und Arm, Gemüse und Fleisch, Poly- und Monogamie, Alt und Jung, tolerante Menschlichkeit und blinde Gewalt... »Sind wir noch Herren im eigenen Land?«, jammern Tracys Eltern, während Tracy und Sam schon längst die Frage stellen, was das heute bedeutet: Heimat, Treue, Religion, eine Familie – und Glück. Ein provozierender Roman über Liebe, Kochen und die Faszination des Fremden.
Verlag: Diogenes
Seiten:  752 Seiten 
ISBN: 978-3-257-26123-3
Preis  € 12,00

Widmung des Buches
Ich danke Firouzeh Afsharnia und Sassan Saatchi, dass ich mir ihre Namen für zwei Figuren in diesem Buch ausborgen durfte, und dafür, dass sie ihre Geistesblitze und unverwechselbar persischen Geschichten mit mir teilten. Und wie immer gilt mein Dank Petra, ohne die.

Der erste Satz
"Um sich die öde Arbeit angenehmer zu machen, ließ Tracy sich vom Rhythmus ihrer Scannerkasse gern in Tagträumen wiegen."

Cover/Gestaltung
Wow! Meine Ausgabe des in Leinen gebundenen Buches finde ich einfach wunderschön. Macht(e) direkt Lust darauf, das Buch SOFORT zu lesen...

Meine Meinung über das Buch
Gibt es das wohl wirklich? Die Frage stellte ich mir, als ich meine Nase in das Buch versenkte... Ein Harem mitten in London? Kaum vorstellbar oder?

Interessant finde ich immer, wenn ich beim Erstellen der Rezension erneut das Buch in die Hand nehme und mir die Widmung nochmals genauer ansehe, wie diese nun in den Gesamtzusammenhang des Buches einzugliedern ist. Gibt es irgendwas, was mich stutzig macht? 
Hm, in diesem Buch fällt mir natürlich auf, dass die Namen der Personen im Buch denen gleichen, die hier in der Widmung aufgeführt sind! Also - vielleicht haben die beiden wirklich in so einer Art WG/Harem gelebt?! Wer weiß? Wobei es sich hier auch nicht um einen herkömmlichen Harem handelt...aber zu viel möchte ich keinesfalls verraten, denn das Buch ist es eindeutig wert, von Euch selber gelesen zu werden.
"Die Botschaft lautete: Glück war nicht einfach das Verschwinden des Schmerzes, sondern es war Bestandteil dieses Schmerzes." (Seite 464)
Wenn ich schon optisch von diesem äußeren Einband des Buches überzeugt war, so hat der Inhalt dieses Gefühl ganz klar verstärkt.
Eine frühere, sehr liebe Kollegin, hat es mir wärmstens ans Herz gelegt - in den meisten Fällen kann ich mich blind auf ihre Tipps verlassen. So auch hier (also an dieser Stelle nochmals tausend Dank an Dich, liebe Renate, ich hoffe auf viele weitere so tolle Buchempfehlungen ;-)

Die Personen, allen voran Sam (der mich durch seinen Sanftmut, seine Intelligenz und Warmherzigkeit sowie sein gutes und großes Herz sehr für sich eingenommen hat), sind mir schnell ans Herz gewachsen. Zumindest die "Guten". Die "Bösewichte" waren in ihren Rollen auch sehr gut charakterisiert, so dass ich häufig auch ihre Gründe, die zu ihrem Negativverhalten geführt haben, irgendwie gut nachvollziehen konnte. OK, das macht das Verhalten an sich natürlich nicht besser, war aber trotzdem eine gute Leistung des Autors, Anthony McCarten.

Sams Ehefrauen sind eindeutig wunderbare Persönlichkeiten, die alle ein vielschichtiges, sanftmütiges und wirklich interessantes und einfühlsames Wesen haben. Sie würde ich wirklich gerne kennenlernen ;-)

Das Thema des Buches, einen Harem inmitten des pulsierenden Großstadtlebens Londons ins Leben zu rufen, ist ein spannender Ansatz, der mich direkt in den Bann gezogen hat. Und so ging es mir bis zum Ende dieses Buches, das ich unbedingt vorbehaltlos empfehlen kann. Auch denjenigen, die diesem Thema eher skeptisch gegenüber stehen... Toleranz hat noch keinem geschadet! Gerade dann, wenn wir etwas bisher nicht näher kennengelernt haben.

Auch in sprachlicher Hinsicht gesehen, ist "Englischer Harem" ein gutes Buch, in das man aufgrund der angenehmen Schreibweise schnell hineinfindet.

Der Autor...
Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹, in der unautorisierten Filmadaption (›The Full Monty/Ganz oder gar nicht‹) eine der weltweit erfolgreichsten Filmkomödien. Es folgten weitere Theaterstücke, Drehbücher und Romane, von denen mehrere verfilmt wurden. Er lebt in London und München.

 Mein Fazit
Endlich wieder ein sehr lesenswertes Buch mit einem für mich völlig neuen Thema - und mit einer guten Botschaft! Nach mehr Toleranz und Offenheit vor allem den Dingen gegenüber, die uns oftmals noch fremd sind...

Kommentare:

  1. Diese Buch las ich vor einiger Zeit auch (ich schätze McCarten als Autor sehr), finde aber auch, es gibt bessere Bücher aus seiner Feder als dieses. Hast Du »Funny Girl« oder »Superhero« und »Ganz normale Helden« gelesen? Aber das Buch war trotzdem überzeugend gut.

    Im Grunde fand ich hier gar nicht so eine schematische Aufteilung zwischen Gut und Böse. Die einen befürworteten es, die anderen bekämpften es. Wirklich »böse« machte das keinen und ja, gerade durch McCartens Talent, Beweggründe glaubhaft zu entwickeln und darzulegen, wirkte es menschlich - egal, wie man als Leser zu der Tat steht.


    Viele liebe Grüße

    Shaakai

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  2. Hi!
    Das habe ich ganz ähnlich empfunden, wie Du, mit der (nicht) Einteilung gut und böse. Ich finde McCartens Schreibstil wirklich sehr gelungen - welches Buch würdest Du mir denn als nächstes empfehlen oder sind alle so gut???
    In Englischer Harem gefiel mir das Thema sehr - mal eine neue Idee oder?
    Viele liebe Grüße zurück,
    Olivia

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    1. Oh ja, und das Thema auch echt ansprechend verarbeitet. McCarten spielt mit den Vorahnungen des Lesers - ich meine, die meisten wissen, was man sich unter einem Harem vorstellen kann - aber zeigt ihnen dann, wie man sich auch von seinen eigenen Vorurteilen blenden läßt.

      Also, im Grunde ist er ein schriftstellerischer Könner, aber als besonders lesenswert empfinde ich »Superhero«, bzw. das nachfolgende Buch »Ganz normale Helden«. Wenn Du jedoch erstmal in der Richtung wie »Englischer Harem« bleiben willst, wäre »funny girl« angebrachter - darin geht es um eine sehr liberal denkende Muslima, die sich entscheidet, Komikerin zu werden und damit eine Debatte um Religion, Ehre und freiheitliches Denken in der Gesellschaft lostritt.


      Viele liebe Grüße

      Shaakai

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  3. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich hatte mir damals vorgenommen wieder etwas von ihm zu lesen aber ich habe es wohl vergessen ;-( Danke für die Erinnerung :-)

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    1. Schön, dass wir das Buch wieder einmal gemeinsam gut fanden ;-)
      Bin gespannt, was Du von ihm als nächstes lesen wirst, liebe Grüße,
      Olivia

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